Warum wir fürs Geldabheben bezahlen müssen

Schnell, bequem, praktisch: 68 Prozent der Bundesbürger ziehen Bargeld der Karte vor. Täglich heben wir Deutsche rund eine Milliarde Euro an den insgesamt rund 58.000 Geldautomaten bundesweit ab. Diesen Service, der für uns alle inzwischen selbstverständlich ist, gibt es jedoch nicht zum Nulltarif. Denn es ist ein langer Weg, bis das Bargeld von der Herstellung und Ausgabe tatsächlich am Automaten zur Verfügung steht.

Verlässlicher Bargeldservice hat seinen Preis

Die Versorgung mit Bargeld kostet in der Europäischen Union insgesamt rund 140 Milliarden Euro pro Jahr. Das entspricht in etwa ein Prozent der gesamten EU-Wirtschaftsleistung (1). Allein in Deutschland schlägt die Bargeldnutzung jährlich mit rund 10,8 Milliarden Euro zu Buche. Umgerechnet sind das 130 Euro pro Kopf (2).
Vor diesem Hintergrund wird klar, warum wir fürs Geldabheben auch bezahlen müssen. Entgelte sind unvermeidbar, um eine verlässliche und flächendeckende Bargeldversorgung sicherzustellen.
Das gilt insbesondere für die freien Bargelddienstleister. Denn anders als Kreditinstitute können sie die anfallenden Kosten für die Bargeldversorgung nicht durch Kontogebühren gegenfinanzieren. Doch wie kommt der enorme Aufstand eigentlich im Einzelnen zu stande?

Cash kostet

Herstellung

Bereits die Produktion der Münzen und Scheine kostet 72 Milliarden Euro im Jahr. Für das Prägen einer Ein-Cent-Münze fallen zum Beispiel 1,65 Cent, für den Druck einer Banknote rund 8 Cent an. Das Recycling des ausrangierten Bargelds verschlingt noch einmal 174 Millionen Euro im Jahr (3).

Bargeldtransfer

Hierbei sind hohe, von der Europäischen Zentralbank überprüfte Sicherheitsstandarts einzuhalten. Die Kosten für den Transport des Geldes – von den Produktionsstätten zur Deutschen Bundesbank und ihren 35 Filialen, weiter zu den Kreditinstituten und schließlich zu den Geldautomaten – belaufen sich auf rund 152 Milliarden Euro im Jahr.
Übrigens: Bargeld, das etwa bei Banken ausgezahlt wird, darf nicht wieder direkt an die Kunden ausgegeben oder in die Geldautomaten gefüllt werden. Es muss zur Echtheitsprüfung zurück an die Deutsche Bundesbank.

Betriebskosten für Geldautomaten:

Je nach Standort belaufen sie sich in Deutschland auf bis zu 15.000 Euro jährlich pro Automat. In Einzelfällen sogar deutlich mehr. Das sind die höchsten weltweit. Kostentreiber sind vor allem die Standortmieten. Hinzu kommen die Personal-, Instandhaltungs-, Bestückungs-, Verwaltungs- und Versicherungskosten. Die Umrüstung auf Spreng- und gassichere Tresore ist beispielsweise mit 3.000 Euro pro Geldautomat zu veranschlagen. Die Kosten für Versicherungen und die Behebung von Schäden beziffern sich auf ca. 4 bis 6 Prozent der Gesamtkosten. Zudem ist das Betreiben von Geldautomaten sehr personalintensiv: Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Geldautomaten beschäftigen zum Beispiel aktuell rund 400 MitarbeiterInnen.